AZ FUTURO - Ihr Spezialist für Fachkräfte | Aktuelles       Juli 2013

Spanische Fachkräfte ein Jahr in Franken

(01. Juli 2013 auf Mittelbayerische.de)

 

Die Wärme vermissen sie schon sehr – ansonsten gefällt es den Spaniern gut in ihrer neuen Heimat Franken. Vor einem Jahr kamen sie nach Erlangen.

Die spanische Pflegefachkraft Francisca Lopez-Tomasety bereitet in der Uniklinik Erlangen eine Infusion zu. Die Klinik will auch künftig ausländische Fachkräfte anwerben. Foto: dpa

Die spanische Pflegefachkraft Francisca Lopez-Tomasety bereitet in der Uniklinik Erlangen eine Infusion zu. Die Klinik will auch künftig ausländische Fachkräfte anwerben. Foto: dpa

Von Judith Zischler, dpa

Erlangen. Konzentriert bindet sich Francisca López-Tomasety den grünen Kittel zu und streift den Mundschutz über. In der kleinen Schleuse vor Zimmer 8 desinfiziert sie sorgfältig ihre Hände. Danach betritt die 27-Jährige das Krankenzimmer. Hygiene steht an erster Stelle, denn ihr Patient hat eine Knochenmarkstransplantation hinter sich und muss vor Keimen geschützt werden. Für Francisca gehört das längst zur Routine. Seit einem Jahr arbeitet sie im Erlanger Uniklinikum: Mit 26 anderen spanischen Pflegekräften kam sie im vergangenen Juli nach Franken – als Abhilfe gegen den Personalmangel an deutschen Krankenhäusern.

2012 hatte die Klinik in dem EU-Krisenstaat eine Stellenanzeige geschaltet, der 27 spanische Pflegefachkräfte nach Franken folgten. Nach einem Jahr sind noch 22 von ihnen am Uniklinikum. Für die meisten war das Jobangebot aus Deutschland ein Ticket aus der Arbeitslosigkeit. Francisca hingegen bewarb sich um eine Stelle am Klinikum, um Erfahrungen im Ausland zu sammeln: „Ich wollte schon immer mal in Deutschland, England oder Neuseeland arbeiten. Es war eine gute Entscheidung, nach Erlangen zu gehen.“

Arbeitsbedingungen müssen sich ändern

Für den Präsidenten des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, ist die Einstellung von Zuwanderern jedoch keine dauerhafte Lösung für das Personalproblem an deutschen Kliniken. „Wir holen die Leute aus dem Ausland, während wir gleichzeitig viele gute deutsche Pflegekräfte an die Schweiz, die Niederlande oder Skandinavien verlieren.“

Die Rahmenbedingungen der Pflegeberufe müssten dringend geändert werden, fordert er. Mehr Personal, mehr Eigenverantwortlichkeit und eine größere Wertschätzung gegenüber dem Berufsstand seien nötig, um die Branche für Bewerber wieder attraktiver zu machen. „Sonst bleiben die Zuwanderer auf Dauer auch nicht.“

Den Sprachtest, den einige Spanier noch ablegen müssen, um als Pflegefachkräfte angestellt zu werden, hat Francisca längst in der Tasche. Immerhin hat sie schon in der Schule Deutsch gelernt – und verblüffte die Kollegen auf der Station mehr als einmal mit ihren Kenntnissen über deutsche Kinderlieder. Das eine oder andere Verständigungsproblem gab es dennoch. Etwa als ein Patient sie um ein „Spezi“ bat und die Spanierin partout nicht wusste, was gemeint war.

12 Grad sind entschieden zu kalt

Ansonsten hat sie sich schnell in Erlangen und in den Klinikalltag eingelebt. „Das Jahr ging so schnell vorbei“, sagt sie. Dazu haben auch die Kollegen beigetragen, die ihr durch die Einarbeitungsphase halfen. Francisca sei eine Bereicherung für die Station, sagt die stellvertretende Stationsleiterin Eva-Maria Kummerer. „Man reflektiert seine Tätigkeiten ganz anders, wenn einer von außen kommt und fragt: Warum macht ihr das so und nicht anders?“

Medikamente verabreichen, Blut abnehmen, Patienten waschen oder mit ihnen plaudern – für Francisca kein Problem. Der Unterschied zum spanischen Krankenhausalltag? Dort hätten die Pflegefachkräfte mehr Verantwortung, erzählt sie.

Was sie in Deutschland am meisten vermisst, sind ihre Familie und Freunde. Auf die Frage nach dem deutschen Wetter winkt sie ab. „12 Grad sind für mich zu kalt.“ Mit dem bayerischen Essen hat sie sich jedoch schon angefreundet: Fleischpflanzerl und Brezen mag sie sehr gern. Auch ein Besuch des Oktoberfests mit Kollegen und die Bergkirchweih in Erlangen haben sie begeistert.

Das Heimweh nach Gran Canaria ist aber stärker. Sie wolle nach Spanien zurückgehen. Die Kollegen auf der Station würden das sehr bedauern. Eva-Maria Kummerer verrät den Plan, wie sie Francisca zum Bleiben überreden wollen: „Wir suchen ihr einen Mann.“

Spanische Fachkräfte unter Preußen

 

19.07.2013 (Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung) ·  In Spanien war er einer von Millionen.

In Hannover ist José umworben. Auf Erkundungsreise mit jungen Spaniern,

die im Land der Schnitzel und Pfarrhäuser ihr Glück finden.

 

Von Johannes Ritter

Adelante! - Das Projekt der IHK Hannover soll Jugendliche aus Spanien durch Praktika bei deutschen Unternehmen für eine Ausbildung in Deutschland begeistern. © Schmitt, Felix Fürs Leben: Dreizehn junge Spanier haben in Hannover mehr oder weniger gut Deutsch gelernt, um dem Schicksal ihrer „verlorenen Generation“ zu entkommen – der Massenarbeitslosigkeit

 

José de las Cuevas Calero hat sein wichtigstes Werkzeug immer zur Hand: das Wörterbuch. Es liegt auf seinem Schreibtisch im Sekretariat der Böhm Güterverkehrs GmbH. Das ist eine Spedition in einem kargen Industriegebiet vor den Toren Hannovers. Hier hat der 25 Jahre alte Spanier für drei Monate eine berufliche Heimat gefunden. Erst mal. Vielleicht wird er aber auch sein ganzes Leben bleiben.

José ist einer von dreizehn arbeitshungrigen Spaniern, die im Rahmen eines Projekts der IHK Hannover von April bis Juni ein Praktikum bei deutschen Unternehmen in der Region absolviert haben. In den kommenden Tagen fliegen sie alle in ihre Heimat zurück. Doch für die meisten von ihnen wird es nur ein kurzes Wiedersehen mit der Familie sein. Elf der dreizehn Spanier kommen in wenigen Wochen nach Niedersachsen zurück - um eine Ausbildung zu beginnen, und manche haben auch eine feste Stelle gefunden in den Betrieben, in die sie hineingeschnuppert haben.

 

Zu Gast beim Pfarrer

 

So auch José: „Im August beginnt meine Ausbildung zum Speditionskaufmann“, erzählt er. Sein Deutsch ist noch etwas holprig, aber dafür, dass er fremdsprachlich unbedarft in sein Abenteuer bei den „Alemanes“ zog, kommt er schon ganz gut klar. „Franziskaner“ war eines seiner ersten Worte. Gemeint ist das Weißbier, das er hier gleich zu Beginn kennenlernte. Das allerdings war ein alkoholfreies Weizen. Und ohnehin wirkt José ziemlich nüchtern, geradezu preußisch: Er trägt eine schwarze Brille, das dunkle Haar ist akkurat gekämmt. Er wirkt aufmerksam, ernst und höflich.

Während seines Praktikums wohnt José in der Familie eines evangelischen Pfarrers. Dort ging es anfangs streng zu. Der Pastor weckte seinen Gast um 6 Uhr in der Früh mit einem Glöckchen. Mittlerweile aber hat der Gastgeber erkannt, dass derlei Disziplin einflößende Maßnahmen gar nicht nötig sind. José macht sich jeden Morgen von ganz allein pünktlich zur Arbeit auf. Jetzt wird nur noch zum Abendessen um 18 Uhr geläutet. „Die Familie behandelt mich sehr liebevoll“, sagt José. Ihm schmeckt sogar das deutsche Essen. Jägerschnitzel mit Bratkartoffeln sei sein Lieblingsgericht, berichtet der Andalusier ohne Augenzwinkern. Er meint es ernst. José war aber auch schon spanisch essen: „Es gibt in Hannover ein Lokal namens Rias Baixa. Dort schmeckt es genauso gut wie in Spanien.“

 

Viel zu gewinnen, wenig zu verlieren

 

José kommt aus Sevilla. Dort hat er Transportlogistik studiert und anschließend für eine Firma in Barcelona gearbeitet. Doch die ging pleite und er verlor seinen Arbeitsplatz. Also sattelte er eine Ausbildung an einer Berufsschule obendrauf. Sein Lehrer in Spanien machte ihn auf das Praktikumsprojekt in Hannover aufmerksam. Es heißt „Adelante!“, also: „Auf geht’s!“ oder „Vorwärts!“ José biss sofort an: „Bei uns zu Hause gibt es keine Arbeit.“ Mehr als fünfzig Prozent der jungen Spanier sind arbeitslos.

 
José an seinem Arbeitsplatz; „Fiesta, Siesta, Füße hoch - das erlebe ich mit Heinz Müller, aber mit ihm nicht“, sagt sein neuer Chef © Schmitt, Felix José an seinem Arbeitsplatz; „Fiesta, Siesta, Füße hoch - das erlebe ich mit Heinz Müller,
aber mit ihm nicht“, sagt sein neuer Chef

Hierzulande herrscht eine ganz andere Not. Es gibt zu wenig Nachwuchskräfte. 20 Prozent der Ausbildungsplätze in der Region Hannover können nicht besetzt werden, wobei vor allem in gewerblich-technischen Berufen Bewerber fehlen. Das war der Grund, warum die Industrie- und Handelskammer Hannover im April 2012 die Fühler nach Spanien ausgestreckt hat. Die Kammer hat offene Plätze an Berufsschulen in Andalusien und im Baskenland übermittelt. Dort lief dann das Auswahlverfahren, wobei Deutschkenntnisse keine Voraussetzung waren. Sonst wäre kaum ein Spanier gekommen.

José war nie zuvor in Deutschland. Von der Stadt Hannover hatte er nur gehört, weil der Fußballklub FC Sevilla 2011 in der Europa League gegen Hannover 96 antreten musste. Aber das scherte ihn nicht: „Ich kann hier viel gewinnen, aber wenig verlieren“, sagte er sich.

 

Flucht aus einer verlorenen Generation

 

Bisher habe er nur gewonnen, sagt José. Wie auch die Böhm GmbH. Marcus Böhm, der Juniorchef des Transportunternehmens, ist voll des Lobes: „José hat fachlich viel auf dem Kasten. Das haben wir ganz schnell gemerkt. Außerdem ist er ein feiner Kerl, sehr engagiert und interessiert.“ Das klingt zwar selbstverständlich, ist es aber nicht. Schon so mancher deutscher Praktikant hat Böhm bitter enttäuscht. Viele deutsche Jugendliche seien verwöhnt und bequem, gingen lustlos ans Werk und kämen oft zu spät zur Arbeit. „Fiesta, Siesta, Füße hoch - das erlebe ich hier mit Heinz Müller, aber nicht mit José“, sagt Böhm.

Der Unternehmer hat selbst einmal ein halbes Jahr in Valencia gelebt und spricht passabel spanisch. Böhm bietet José nun nicht nur einen Ausbildungsplatz an. Er will ihn nach der Abschlussprüfung in zwei Jahren fest einstellen. Und José ist gern bereit, mit Sack und Pack nach Hannover zu ziehen: „Ich bin sehr glücklich hier.“ Es macht nicht den Eindruck, dass er das sagt, weil er meint, es werde von ihm erwartet. Den familiären Umgang in der Firma schätze er, erzählt er, und auch die gute Arbeitsorganisation. „Wofür wir Spanier acht Stunden benötigen, dafür brauchen die Deutschen nur sechs Stunden.“ Wenn sich die wirtschaftliche Lage in Spanien eines Tages verbessern sollte, kann er sich aber schon vorstellen, wieder in seine Heimat zurückzugehen. „Mit einer weiteren Ausbildung im Rücken und der Erfahrung, die ich dann habe, dürften meine Chancen auf jeden Fall besser sein als heute.“ Der Umzug nach Hannover ist für ihn die Chance, dem Schicksal zu entgehen, einer verlorenen Generation anzugehören.

 

Spanier stellen „kluge Fragen“

 

Dass sich José in den drei Monaten in Deutschland so wohlgefühlt hat, hängt nicht nur mit seinem Arbeitsglück zusammen. Die Initiatoren von Adelante haben von Anfang an erkannt, dass man den jungen Spaniern mehr bieten muss. Sie sollen sich hier auch privat wohlfühlen und dürfen nicht vereinsamen. Sie sollen aber auch nicht nur unter sich bleiben, sondern Land und Leute kennenlernen. Darum kümmert sich Hortensia González. Die spanische Sozialpädagogin lebt schon seit mehr als 35 Jahren in Hannover. Sie arbeitet für die Caritas, welche die IHK als Partner in das Projekt geholt hat. Mit viel Herzblut und Energie hat Hortensia nicht nur für passende Unterkünfte gesorgt, sondern auch ein attraktives Rahmenprogramm aufgezogen. Jeden Donnerstagabend leitet sie den „Tandem-Club“ in einem Jugendtreff der katholischen Kirche. Hier treffen José und die anderen 12 Spanier auf Deutsche, die etwas Spanisch können und es besser lernen wollen. So manche deutsch-iberische Freundschaft wurde hier schon geknüpft. In einem Fall ist sogar Liebe im Spiel.

Am Donnerstag vor einer Woche war auch Günter Merzyn dabei. Als Kenner der Region und ehrenamtlicher Caritas-Mitarbeiter hat dieser lebenskluge Rentner den Spaniern zuletzt an Wochenenden in Goslar und Bremerhaven Kirchen, Plätze und Rathäuser gezeigt. Die Resonanz hat ihn beeindruckt und gefreut: „Die Spanier waren ungewöhnlich aufgeschlossen und interessiert. Sie haben klugen Fragen gestellt.“

 

„Wie in einer Familie“

 

Edgar Giménez war einer von ihnen. Ihn als „aufgeschlossen“ zu bezeichnen, griffe sogar noch zu kurz. Der Baske aus Bilbao ist entschlossen, in Deutschland seinen Weg zu gehen. Schon beim ersten Treffen im Tandem-Club Anfang April hat der technische Zeichner verkündet, hier bleiben zu wollen. „In Spanien gibt es keine Zukunft für mich“, erzählt er und wirkt dabei ungerührt. Edgar ist 21 Jahre alt und sprüht vor Energie. Er arbeitet bei der Schuler Konstruktionen GmbH in Hannover, einem Ingenieurbüro. Hier kam Edgar so gut an, dass er direkt eine Festanstellung als technischer Produktdesigner bekam. Und auch Miguel Ángel Torrubia hat den Anschlussvertrag schon in der Tasche: Der Stromnetzbetreiber Eon Avacon wird den 24 Jahre alten Andalusier zum Elektriker ausbilden. Miguel hat raspelkurze schwarze Haare, er trägt ein grünes T-Shirt. Eigentlich wollte er nach der Berufsschule in Spanien, wo er Elektrotechnik studiert hat, nach England gehen. „Aber da muss man selbst ein Unternehmen finden und alles organisieren.“ Miguel zuckt mit den Achseln: Dann halt ins gemachte Nest nach Hannover, auch gut. Erstaunlich inspiriert erzählt er von seinem Praktikum im Eon-Ausbildungszentrum in Hannover-Laatzen. Er habe dort Leitungen verlegt und Kabelanlagen repariert. Einmal musste er mit seinen Kollegen neun Meter hohe Strommasten hochklettern. Kopfschmerzen bereitet ihm aber, dass er die Prüfungen während seiner Ausbildung auf Deutsch schreiben und bestehen muss. Denn mit der deutschen Sprache hapert es.

Auch im Fall von José Manuel Baena Roldán ist die Sprache eine Hürde. Der 21 Jahre Andalusier ist in Almería geboren und in Granada zur Schule gegangen. In den vergangenen Tagen schraubte er bei Tennet in Lehrte an der Elektronik für selbstöffnende Garagentore herum. José Manuel ist ruhig und schüchtern. Er war vorher noch nie in Deutschland. Auch er lässt keinen Zweifel an seiner Entscheidung, hierher zu kommen, erkennen. Es gefalle ihm, „alle sind sehr freundlich.“ Aber auch für ihn ist es wichtig, dass er in Hannover nicht auf sich allein gestellt ist. Er wohnt mit acht anderen spanischen Praktikanten im Don-Bosco-Wohnheim. „Das ist wie in einer Familie“, erzählt er. Und die ist Spaniern traditionell wichtig. Vermisst er seine Eltern, seinen Bruder? „Mit Skype ist man nie weit weg von der Familie“, sagt er. Im Übrigen stünden seine Eltern hinter ihm: „Solange sie wissen, dass es mir gut geht, ist es ihnen egal, wo ich bin.“ Und auch in Spanien hätte er Hunderte Kilometer wegziehen müssen aus der touristisch-agrarisch geprägten Heimat in eine Industrieregion im Norden. „Da kann ich genauso gut ins Ausland gehen.“

 

Deutschkurs im Heimaturlaub

 

José Manuel hat ein prominentes Vorbild: Javier Martínez. Der spanische Fußballspieler war im vergangenen Jahr für die Rekordablösesumme von 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao nicht etwa nach Barcelona oder Madrid gewechselt, sondern zum FC Bayern München. Dort wurde er im Handumdrehen zum gefeierten Stammspieler und gewann mit den Münchnern die Champions League. José Manuel hätte sich auch Pep Guardiola zum Vorbild nehmen können, den neuen Trainer der Bayern, der in den zurückliegenden Monaten Deutsch paukte. Für José Manuels Arbeit sind gute Sprachkenntnisse allerdings noch wichtiger als im Fußballstadion. Seine rudimentären Deutschkenntnisse könnten bei Tennet gefährlich werden. Das niederländische Unternehmen betreibt hierzulande ein 11.000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz. Im Umgang mit Starkstrom kann ein sprachliches Missverständnis tödlich enden.

 
Abendtreff mit Förderanträgen: Hortensia Gonzáles (rechts) hilft den spanischen Praktikanten © Schmitt, Felix Abendtreff mit Förderanträgen: Hortensia Gonzáles (rechts) hilft den spanischen Praktikanten

 

Daher war es lange Zeit offen, ob der Spanier den von ihm ersehnten Ausbildungsplatz wirklich bekommen würde. Tatsächlich lässt sich Tennet nun aufgrund dessen fachlicher Qualifikation und dessen Persönlichkeit auf das Experiment ein. „Wir werden ihn übernehmen“, sagt die Personalverantwortliche Claudia Schäfer. „Denn José Manuel bringt alles mit, was wir uns wünschen. Er ist offen, engagiert und flexibel.“ Auch während seines anstehenden Heimaturlaubs in Spanien wird José Manuel daher nun einen weiteren Deutschkurs absolvieren, gefördert von einem neuen Programm des Bundesarbeitsministeriums, das Zuschüsse von bis zu 1700 Euro für Deutschkurse in Spanien und die Übernahme der Reisekosten bietet. Während der Ausbildung bezahlt dann die Bundesagentur für Arbeit über ausbildungsbegleitende Hilfsprogramme weitere Sprachkurse.

 

Industrie- und Handelskammern setzen auf Spanier und Griechen

 

Die Tennet-Personalmanagerin Schäfer vertraut auch deshalb auf die Lernkurve des jungen Spaniers, weil es für sie immer schwieriger wird, Auszubildende zu finden. Und die jungen Spanier, die den Schritt ins Ausland wagen, sind hier gleich umworben. „Gute Kandidaten für die Ausbildung zum Elektrotechniker sind begehrt und bekommen viele Angebote“, sagt sie. Daher will sie das Projekt Adelante, mit dem die IHK Hannover eine Vorreiterrolle in Deutschland spielt, weiterhin unterstützen und auch im nächsten Jahr einen Praktikumsplatz an einen jungen Spanier vergeben. Der Spediteur Marcus Böhm will in der nächsten Runde sogar gleich drei Spanier für die Ausbildung zum Kraftfahrer an Bord holen. Und auch Dirk Hartwig, Abteilungsleiter im Maritim Airport Hotel Hannover, moniert, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger werde, hochmotiviertes Ausbildungspersonal zu bekommen. Hartwig hat zwei jungen Spanierinnen einen Praktikumsplatz gewährt; auch sie sollen bleiben.

Hannover ist überall. Fast die Hälfte der 80 Industrie- und Handelskammern in Deutschland ist in ähnliche Berufsbildungsprojekte mit Spaniern involviert. Vergleichbare Projekte gibt es auch mit jungen Griechen.

 

Verbundenheit mit Deutschland bleibt

 

Eine der übernommenen Hotelfachfrauen heißt Sarah Clarke Cabello. Sie ist 22 Jahre alt und kommt aus Málaga. In Spanien, sagt sie, würden Deutsche gern als „cabezas cuadradas“ verspottet. Das sind humor- und gefühllose Quadratschädel oder Sturköpfe, die immer alles besser wissen. Sarah gibt zu, dass sie dieses Klischee auch im Kopf hatte, bevor sie nach Hannover kam. „Aber so sind die Deutschen gar nicht. Sie haben Humor und sind sehr sympathisch.“ An den anderen Lebensrhythmus hat sie sich gewöhnt. In ihrer andalusischen Heimat ist die berühmte Siesta immer noch allgegenwärtig. Dass es hier keine stundenlange Arbeitspause am Nachmittag gibt, empfindet Sarah als Vorteil: „Die Tage sind kürzer.“ Eines aber findet sie hier ziemlich schlimm: El tiempo, das Wetter. Auch fehlt ihr das Meer, mit dem der Maschsee nicht mithalten könne.

Elf der dreizehn Praktikanten ziehen in diesem Sommer nach Niedersachsen, um dort mindestens für einige Jahre zu bleiben. Ein großer Erfolg für alle Beteiligten des Adelante-Projekts. Auch für Hortensia González. Sie sagt, selbst wenn ihre eifrigen Landsleute irgendwann wieder nach Spanien zurückkehrten oder in ein anderes Land gingen, werde die Verbundenheit mit Deutschland bleiben: „Somit entsteht eine Generation echter Europäer.“ Die beiden Jungs, die nach ihrem Praktikum nicht nach Hannover zurückkehren wollen, taten das wegen Heimwehs und der Liebe zur Freundin in Spanien. Die IHK hatte erwartet, dass dies öfter passiere.

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