AZ FUTURO - Ihr Spezialist für Fachkräfte | Aktuelles Februar 2014

Sana-Klinikum in Offenbach im Interview über spanische Fachkräfte

Spanische Pflegekräfte am Sana-Klinikum

 

Offenbach - Um als Pflegekräfte im Sana-Klinikum arbeiten zu können, haben Lucia Azcàrate Banuelos und Eva Gonzalez Martinez fünf Monate Deutsch gepaukt. Beide kommen aus Asturien, genauer aus den Städten Avilés und Gijón im Nordwesten Spaniens. Von Jenny Bieniek 

© jb

 

Nach knapp sechs Wochen haben sich die 23-jährige Lucia Azcàrate Banuelos (links) und Kollegin Eva Gonzalez Martinez (24) auf der Intensivstation eingelebt. Sie sind zwei von insgesamt neun spanischen Pflegekräften, die seit Mitte Januar im Sana-Klinikum arbeiten. Zwei weitere folgen in diesen Tagen.

Über eine Agentur hat Sana die Fachkräfte nach Deutschland geholt. Die Freunde, mit denen sie vor der Abreise in ihrer Heimat den Sprachkurs absolviert haben, sind hierzulande nun ihre Kollegen. Das macht den Start in der Fremde einfacher. Noch verstehen sie die deutsche Sprache besser als sie sie sprechen, doch Tag für Tag kommen neue Wörter hinzu. Im Interview erzählen die jungen Spanierinnen von ihrem neuen Alltag.

 

Was haben Sie gemacht, bevor Sie nach Deutschland gekommen sind?

Lucia: Nach der Ausbildung habe ich ein Praktikum gemacht, danach habe ich fast ein Jahr in einer Klinik gearbeitet. Doch dann verlor ich den Job und habe lange nach etwas Neuem gesucht, sechs Monate. Jetzt bin ich hier.

Eva: Ich habe meine Ausbildung im Jahr 2011 beendet, danach habe ich sechs Monate in einer Privatklinik gearbeitet. Seither habe ich eineinhalb Jahre keine Arbeit mehr gefunden.

Wie sind Sie auf die Agentur gestoßen, die Sie nach Offenbach vermittelt hat?

Lucia: Ich habe die Anzeige der Agentur im Internet gefunden, allerdings hatte ich einen Tipp von einer Freundin bekommen, die zu diesem Zeitpunkt schon am Frankfurter Klinikum war und über dieselbe Agentur nach Deutschland kam.

Eva: Bei mir war’s ähnlich. Meine Freundin hat mich auf die Agentur aufmerksam gemacht und wir haben beide unsere Lebensläufe hingeschickt. Die Agentur hat dann die Sprachkurse für uns organisiert. Fünf Monate haben wir deutsch gelernt. In ein paar Tagen kommt auch diese Freundin zum Arbeiten nach Offenbach.

Wie schnell gewöhnt man sich an den Gedanken, für einen Job die Heimat zu verlassen?

Eva: Ich hatte vorher schon in Großbritannien nach Arbeit gesucht, aber auch dort war im Jahr 2013 nichts zu finden. Für Deutschland stellte sich vor allem das Sprachproblem. Zwar habe ich in der Schule vier Jahre Deutsch gelernt, aber das ist schon sehr lange her.

Lucia: Ich hatte vorher auch erfolglos in Großbritannien gesucht. Die Sprache ist einfacher für uns. Deutsch habe ich erst für diese Stelle gelernt.

Wie haben Ihre Familien auf die Zusage aus Deutschland reagiert?

Lucia: Zuerst waren sie schon ein bisschen traurig. Mein kleiner Bruder war sogar sehr, sehr traurig, dass ich weg gehe. Aber ich glaube, dass sie inzwischen zufrieden sind, weil sie wissen, dass ich hier zufrieden und froh bin. Sie verstehen meine Entscheidung. Aber es gibt Skype und die Flüge nach Spanien sind relativ günstig, das macht es leichter.

Eva: Für meine Familie war die Entscheidung nicht einfach. Meine Mutter wollte mich nicht gehen lassen, aber mein Vater hat mir gesagt, dass das eine gute Chance ist, die ich nutzen sollte. Und Deutschland liegt ja relativ nah, mit dem Flugzeug sind es nur wenige Stunden.

Welchen Eindruck haben Sie bisher von Deutschland?

Eva: In Spanien denken die meisten Menschen, dass die Deutschen sehr ernst sind. Aber als wir hier ankamen, stellten wir fest: Sie sind sehr nett und offen.

Lucia: Ich war überrascht. Die Leute hier sind lustig und freundlich, das hatte ich nicht erwartet. Die deutschen Kollegen sind sehr nett, sie erklären uns viel und wir können alles fragen. Sie wiederholen alles für uns und sprechen langsamer, wenn wir etwas nicht verstehen.

Sehen Sie Unterschiede zwischen der spanischen und deutschen Ausbildung? Gibt es noch Probleme mit der Sprache?

Lucia: Es gibt schon Unterschiede. In Spanien lernt man mehr Medizin, aber so, wie es hier ist, ist es auch gut für mich, denn ich lerne viel im Bereich Mobilisation und Körperpflege. Für mich ist das neu, aber es ist okay.

Eva: Die Sprache wird besser. Medizinische Fachbegriffe sind einfach für uns, weil sie aus dem Lateinischen kommen. Deutsche Wörter sind da oft etwas kompliziert, und auch die Umgangssprache ist noch schwierig.

Wie reagieren die Patienten auf Sie und wie gut finden Sie sich im deutschen Krankenhauswesen schon zurecht?

Lucia: Im Großen und Ganzen reagieren die Patienten freundlich, nur manchmal ist es ein bisschen kompliziert, weil wir auf einer Intensivstation arbeiten und viele Patienten körperlich geschwächt sind. Sonst klappt’s aber schon ganz gut.

Vermissen Sie Spanien?

Lucia: Ja, sehr. Aber mit mir sind viele Freunde hier, das macht es einfacher.

Was fehlt Ihnen besonders?

Eva: Meine Familie und die vertraute Sprache, wenn man durch die Straßen läuft. Bislang verstehe ich, wenn man die Leute im Vorbeigehen hört, noch nicht so viel.

Lucia: Ich vermisse vor allem die Sonne und das Essen. Ich muss unbedingt noch ein Lokal finden, in dem es gute Tortilla gibt.

Haben Sie schon so etwas wie ein Freizeitleben?

Lucia: Ja, klar. Ich schaue mir gerne andere Städte an und am 1. März fahren wir mit Kollegen nach Köln zum Karneval. Ich werde mich als Super Mario verkleiden, die anderen gehen als Luigi, Bowser und Prinzessin Peach.

Was haben Sie bisher schon gesehen und was steht noch auf der Liste?

Eva: Ich wohne in Offenbach, Lucia in Frankfurt. Nach Feierabend sind wir oft in den Innenstädten unterwegs. Wir nehmen die Bahn und besuchen unsere Kollegen, zu denen wir auch privat viel Kontakt haben. Leider ist Bahnfahren hier ziemlich teuer. Ich plane auf jeden Fall, München und den Schwarzwald zu besuchen.

Lucia: Ich war im Frankfurter Stadion, leider ohne Spiel. Und ich möchte auf jeden Fall mal nach Berlin.

Wirtschaft setzt auf Fachkräfte aus Spanien

 (erschienen am 12.02.2014 in der Badischen Zeitung)

 

Den jungen Spaniern fehlt Arbeit und deutschen Unternehmen der Nachwuchs –

die Wirtschaft setzt Hoffnungen auf Fachkräfte.

Foto: dpa

Ein spanischer Azubi aus Barcelona im Materiallager eines Fachbetriebs für Klempnerei

 

 

Als José Antonio Carrique Belmar im Sommer 2011 die Koffer gepackt hat, um vom südspanischen Mojácar ohne Deutschkenntnisse ins schwäbische Heidenheim zu ziehen, haben ihm Freunde gesagt: Du bist verrückt! Schließlich hatten José und seine deutsche Frau in Spanien gefunden, was dort viele vergeblich suchen: einen Arbeitsplatz. Sie bei einer internationalen Bank, er als Verkaufsleiter bei einem Industrieunternehmen. Aber die Krise hatte sich bereits in ihr Leben geschlichen, der Druck war höher und das Arbeitsklima rauer geworden. "Es war ein Risiko, Spanien zu verlassen. Aber wir sind im richtigen Moment nach Deutschland gekommen", erzählt der 37-Jährige zweieinhalb Jahre später in sehr gutem Deutsch in einem Stuttgarter Café.

Die Bank, bei der seine aus Heidenheim stammende Frau in Spanien beschäftigt war, und auch seine frühere Firma existieren inzwischen nicht mehr. José Carrique Belmar hat erst einen mehrmonatigen Deutschkurs gemacht und dann einen Job am Fließband. Jetzt absolviert er eine Ausbildung zum Chemielaboranten. Ein Zementwerk hatte Mangel an Azubis und der Spanier in jungen Jahren Chemie studiert, bis ihn familiäre Umstände zum Abbruch gezwungen hatten. "Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinen Traumbereich Chemie zurückkehren kann." Noch in diesem Jahr hat er seine Abschlussprüfung, danach kann er bei seinem Ausbildungsbetrieb als Chemielaborant beginnen. Seine Frau arbeitet wieder bei einer Bank. So hat sich für das schwäbisch-spanische Paar alles zum Guten gefügt.

Die baden-württembergische Industrie würde gerne viele solcher Geschichten schreiben, und die Politik versucht, sie dabei zu unterstützen. Schließlich haben in Spanien sehr viele jungen Leute keine Arbeit und den deutschen Unternehmen mangelt es an Azubis und Fachkräften. Es gibt deshalb ein Sonderprogramm zur "Förderung der beruflichen Mobilität" und groß angelegte Anwerbeversuche wie die "Aktion Nikolaus" im Dezember 2011, als 100 spanische Ingenieure zu einer Jobbörse nach Stuttgart eingeflogen wurden. Am Ende sind 22 in der Region geblieben und zehn weitere verschlug es in andere Teile der Republik.

Wie meist, wenn eine Sache Fahrt aufnimmt, gibt es aber auch Trittbrettfahrer, schwarze Schafe, die aus Hoffnungen Profit schlagen wollen. So haben Ende 2013 private "Vermittler" 128 spanische Fachkräfte mit falschen Versprechen nach Thüringen gelockt – in Massenunterkünfte und Niedriglohnjobs. "Wenn Erwartungen geschürt, und nicht erfüllt werden, ist das äußerst negativ", klagt Jesús Barrero Barroso von der staatlichen spanischen Arbeitsvermittlung "Eures" in Madrid.

Der Fall Thüringen ist nur ein Aspekt bei der Frage, ob die Theorie, dass sich das spanische Angebot an Nachwuchskräften und die deutsche Nachfrage wunderbar ergänzen, den Praxistest besteht. Auf den ersten Blick sieht vieles nach einer Win-win-Situation aus, einem Geschäft, das beiden Seiten nutzt. Anfangs ärgerte sich die Presse in Spanien, wo die Geburtenrate ebenfalls niedrig ist, noch: "Die Deutschen schicken uns ihre Rentner und holen sich unsere jungen Leute." Doch inzwischen dominiert die Sichtweise, dass es eine gute Sache sei, wenn junge Spanier in Deutschland Erfahrungen sammeln und in einigen Jahren, wenn die Krise hoffentlich vorbei sei, gut gerüstet zurückkehren.

So bieten inzwischen auch staatliche Stellen Deutschkurse an. Auf der anderen Seite wetteifern die Bundesländer darum, für ihre Unternehmen möglichst viele Azubis und Fachkräfte aus Spanien anzulocken. Hessen ist ziemlich aktiv, auch Baden-Württemberg mischt kräftig mit. Im Sommer plant Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eine Spanienvisite, und in der vergangenen Woche hat sich der Finanz- und Wirtschaftsausschuss des Landtags in Madrid und Barcelona bei Firmen, Wirtschaftskammern und staatlichen Stellen ein umfassendes Bild gemacht.

Was die Abgeordneten vor Ort zu hören bekommen, passt indes nur teilweise zu den Erwartungen mancher Mittelständler in der Heimat. "Es bedarf offenbar noch vieler Bemühungen, um für Baden-Württemberg zum Erfolg zu kommen", fasst der Ausschussvorsitzende Karl Klein (CDU) die Erkenntnisse zusammen. "Die Thematik ist komplexer, als es von Deutschland aus aussieht", sagt Baden-Württembergs Wirtschaftsstaatssekretär Ingo Rust (SPD). Es gibt einerseits spektakuläre Geschichten. So hat Lidl Supermercados, die spanische Tochter der Neckarsulmer Supermarktkette, für 15 Azubi-Plätze in Deutschland, die in Spanien annonciert waren, 12 000 Bewerbungen erhalten. Aber das mag mit daran liegen, dass die Absolventen nach der Ausbildung in die Heimat zurückkehren können. Denn es gibt auch ganz andere Berichte. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es schwerer ist, als man gemeinhin glaubt, spanische Jugendliche für eine zwei- oder dreijährige Ausbildung in Deutschland zu gewinnen", sagt der Geschäftsführer der Deutschen Außenhandelskammer in Madrid (AHK), Walther von Plettenburg. "Der Leidensdruck junger Spanier, sich im Ausland eine Arbeit zu suchen, ist nicht so groß, wie viele in Deutschland denken."

Doch es gibt eben auch jene Geschichten, wie sie zum Beispiel der Binzener Einzelhändler Dieter Hieber erzählt. Er hat vor einem Jahr einen Mitarbeiter nach Spanien geschickt, um dort Nachwuchs zu suchen. "Das war aus der Not geboren, wir haben hier einfach nicht genügend Bewerber für die Ausbildungsplätze", sagt Hieber. Aber bevor sie in der Grenzecke mit ihrer Lehre begannen, wurden die Kandidaten zu einem Praktikum eingeladen, sie erhielten einen Sprachkurs, sie wohnten vornehmlich in Wohngemeinschaften, sie sollten das Land, die Region und die Leute hier kennenlernen.

Am Ende kamen 28 junge Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren, und "es läuft sehr gut", wie Dieter Hieber betont. Nur sechs der Azubis haben abgebrochen, "wir haben mit einem größeren Schwund gerechnet". Zu dieser positiven Zwischenbilanz habe auch beigetragen, dass sich die Berufsschule sehr bemüht und dass man vom Unternehmen aus versucht habe, die jungen Leute über ihre Hobbys ins Vereinsleben zu integrieren. "Wir wollen das ausbauen", kündigt Hieber an. Ein Mitarbeiter sei gerade wieder in Barcelona, um Praktikanten auszusuchen, von denen einige dann, hofft Hieber, im Herbst eine Lehre beginnen – anders als die Schweizer Nachbarn blockt er den Zuzug nicht ab, sondern fördert ihn.

Für diesen zweiten Jahrgang, hofft er, werde der Start etwas leichter sein, weil die jungen Leute Ansprechpartner haben. Denn als größtes Hindernis bei der Anwerbung von Arbeitskräften erwiesen sich in der Vergangenheit neben den fehlenden Sprachkenntnissen vor allem die engen familiären Bande sowie die oft große Heimatverbundenheit. Die meisten der spanischen Einwanderer, die in den 1960er-Jahren nach Deutschland gekommen sind, sind inzwischen wieder in die alte Heimat zurückgekehrt. Von den Ingenieuren, die nach der "Aktion Nikolaus" im Dezember 2011 in Deutschland geblieben sind, will laut einer Ende 2013 gemachten Befragung rund die Hälfte nach spätestens fünf Jahren wieder nach Spanien gehen.

Das läuft den Interessen der deutschen Firmen, die auf Dauer Fachkräfte suchen, natürlich zuwider. "Viele sagen sich: Wir spielen das jetzt mal mit und hoffen, dass genügend bleiben. Es ist ein Stück weit eine Wette auf die Zukunft", berichtet ein Wirtschaftsberater, der nicht namentlich genannt werden will. Der Experte rät den Unternehmern daher, ihre Erwartungen zu dämpfen. Umgekehrt empfiehlt auch José Carrique Belmar seinen Landsleuten Realismus. "Wenn heute ein 20-jähriger Spanier kommt und denkt, in Deutschland sei alles optimal, dann ist das falsch. Wer kein Deutsch spricht und keine Unterstützung hat, hat es schwer, eine gute Arbeit zu finden." Wer aber die Voraussetzungen mitbringe und bereit sei, sich zu integrieren, der werde respektiert. "Was du gibst, kriegst du auch zurück." Für den 37-jährigen Spanier jedenfalls ist die Wette aufgegangen.

Wo wir sind /                 Donde estamos

AZ FUTURO
Schwarzwaldstr. 18
78532 Tuttlingen

Kontakt /                     Contacto

Telefon

+49 7462 568 90 41

Mobil

+49 176 93 53 76 00

Mail

info@az-futuro.com

Bürozeiten / Horario

Montag - Freitag

Lunes - Viernes

 

08.00 - 12.00 

13.30 - 17.00

AZ FUTURO - Ihr Spezialist für spanische Fachkräfte

ist offizielles

Vielen Dank für

Besuche auf az-futuro.com

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
AZ Futuro - Spanische Fachkräfte | Personalvermittlung

Anrufen

E-Mail

Anfahrt